Unsere Prüfung.
Diese Etappe habe ich unterschätzt. Da fehlte uns allen die nötige Erfahrung und der realistische Blick auf die Anforderung und unsere Möglichkeiten.
Aber dazu gleich mehr.
Jetzt schon Routine, packten wir die Zelte und unsere Habseligkeiten in unsere immer schwerer werdenden Rucksäcke ein. Diese Etappe startete ebenfalls mit einer Überfahrt über den Laitaure, zu der wir glücklicherweise vom Hüttenwart mit seinem Motorboot mitgenommen wurden. Die Überfahrten über die Seen werden in der Saison eigentlich immer angeboten, entweder vom Hüttenwart oder auch von Sami, die an den vielen Ufern der Seen den Sommer verbringen. Wir befanden uns schon außerhalb der Saison und hatten Glück, dass unser Hüttenwart überhaupt noch vor Ort war.
Auf der anderen Seite des Sees angekommen, frühstückten wir und ließen uns reichlich Zeit – von der wir annahmen, wir hätten sie ausreichend zur Verfügung. Die Etappe selber ist nur 22km lang und wird in gängigen Beschreibungen mit einer Dauer von 8 – 10 Stunden angegeben. Das wussten wir aber nicht. Wir Theoretiker hatten nur die 22km vor Augen, die sind bei unserer Gangart in 6,5 Stunden erledigt. Die rund 800 Höhenmeter hatten wir einfach nicht beachtet…
Zudem starteten wir die Tour am späten Vormittag. Es ging also los, landschaftlich traumhaft, durch lichte Wälder, an Seen und Bächen vorbei, an kleinen Lichtungen, und dann ging es plötzlich steil nach oben. Eine Steigung, die kein Ende ahnen ließ. Es kam dann aber und wir liefen auf die Rittak-Schutzhütte zu, wo wir unsere Pause machen wollten. Jetzt war es bereits Nachmittag. Das Ende unserer Pause habe ich mit etwa 16:00h in Erinnerung, und wir haben noch diskutiert, ob wir weitergehen oder lieber in der Schutzhütte übernachten – wir gingen weiter.
*** Hier ein kleiner Tipp: wenn Ihr im Herbst im Hochfjäll unterwegs seid, und es noch knapp 10km bis zu Eurem Ziel sind, und es bereits 16:00h ist – bleibt da wo Ihr seid und schlagt Euer Lager auf. ***
Verschiedenes haben wir zu wenig in unsere Überlegung einbezogen – die Anstrengung der letzten drei Tage, die vor uns liegende Anstrengung, unsere eigene Fitness (die war normal aber eben auch nicht atlethisch), das Restlicht des verbleibenden Tages, das Terrain, die Höhenmeter. Heute würde ich in einer Situation wie dieser mit Sicherheit sagen – wir bleiben hier.
Damals waren wir ehrgeizig und haben alle Warnsignale ausgeblendet (siehe oben). Wir gingen also weiter, der erste Teil des Rests der Etappe war sehr schön, fast eben, über ein Hochplateau, das sich dann in ein Geröllfeld aus Felsen geändert hat, bevor der Abstieg in den Wald über glatte Felsen losging. Mittlerweile war auch aus der Dämmerung Dunelheit geworden. Du warst schonmal in Lappland? Dann weißt Du was Dunkelheit da bedeutet. Es ist stockdunkel.
Aber wir hatten natürlich Stirnlampen, und Taschenlampen, von denen eine funktionierte und die Batterien in einer Stirnlampe auch… Der Rest dieser Etappe war mehr eine Tortur, als eine Wanderung. Über Stock und über Stein – diese Redensart ist bestimmt genau dort entstanden. Das Ganze bei Dunkelheit, wir waren erschöpft – wollten uns das aber nicht wirklich eingestehen – und quälten uns also weiter, bis plötzlich ein Schild zur Parte-Stuga auftaucht. Die STF-Hütte, unser Etappenziel. (Fast wären wir an der Abzweigung vorbeigelaufen, nicht auszudenken.) In dieser Hütte haben wir tief geschlafen.
